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Landsleutebrief vom 25. März 2020:  Erster Rückholflug

25.03.2020 - Artikel

Liebe Landsleute,

wir freuen uns sehr, dass in wenigen Stunden die erste Lufthansa-Maschine in Lima landet, um am Donnerstag mit 367 von Ihnen nach Frankfurt zurückzufliegen.

Wir konnten auch eine zweite Maschine für diese Woche anmelden, die hoffentlich am Freitag mit der gleichen Anzahl von Passagieren von Lima abheben wird. Die Genehmigung erwarten wir stündlich.

Diejenigen, die mitfliegen, werden für den Donnerstagflug bereits angerufen. Für den Freitagflug erfolgt das am Donnerstag.

Viele von Ihnen werden enttäuscht fragen, warum sie nicht berücksichtigt wurden. Wir haben uns alle erdenkliche Mühe gegeben, nach Ihren Angaben im Registrierungssystem nach den uns vorgegebenen Prioritäten eine Auswahl zu treffen. Berücksichtigt haben wir also vorrangig Personen mit Vorerkrankungen, Behinderungen, unbegleitete Minderjährige oder Personen, die nach COVID 19 zu einer Risikogruppe (über 60 Jahre) gehören. So verfahren alle europäischen Staaten. Ich hoffe, Sie alle können das nachvollziehen.

Wie geht es nun weiter und was können Sie außerhalb Limas erwarten?

Ich möchte Ihnen die Lage möglichst transparent schildern, damit Sie wissen, wo wir stehen. Wir sehen uns gegenwärtig im Wesentlichen drei Problemen gegenüber:

  • Nach Schließung des zivilen Flughafens in Lima operiert nur noch der militärische Teil mit geringeren Kapazitäten. Alle Flüge müssen über das Außenministerium angemeldet werden und werden dann durch die dem Verteidigungsministerium unterstehende Zivilschutzbehörde INDECI genehmigt. Das Verfahren ist umständlich und läuft seit der Umstellung darauf zu Anfang der Woche erst langsam an. Rückmeldungen bekommen wir erst nach Tagen. Zur Erweiterung der Kapazitäten haben wir auf politischer Ebene auf eine teilweise Wiedereröffnung des Zivilflughafens gedrängt, bislang ohne Ergebnis.
  • Bisher besteht INDECI darauf, dass nationale Flüge wie aus Cuzco oder Arequipa nach Lima kommen und die Passagiere dort unmittelbar in einen Flieger nach Europa umsteigen. Das ist kompliziert und auf diesem Flughafen nur begrenzt möglich. Alle EU Botschafter haben sich gestern gegenüber dem Außenministerium gegen dieses Kopplungsgebot ausgesprochen. Wir drängen darauf, dass nationale Flüge nach Lima möglich werden und Sie hier in Lima (ohne eine erneute Quarantäne!) auf den Weiterflug warten können. Wir können nicht absehen, ob INDECI dem zustimmt.
    Alternativ prüfen wir, ob wir Sie von einigen peruanischen Flughäfen direkt zu einem Anschlussflug in der Region bringen können. Das würde den Engpass Lima entlasten. Dazu sprechen wir zur Zeit mit dem Außenministerium und INDECI.
  • Ferner setzen wir uns dafür ein, dass Sie, wenn Sie außerhalb einer der Flughäfen in der Provinz unterwegs sind, zunächst mit einer Genehmigung z.B. nach Lima, Cusco oder Arequipa, Trujillo etc. kommen können. Von dort würden wir uns dann wie oben beschrieben um Ihre Weiterreise kümmern. Nach den in dieser Woche erlassenen Regularien bekommen wir dafür nur eine Genehmigung, wenn Sie unmittelbar ausfliegen; andernfalls müssen Sie erneut in Quarantäne. Aus dazu warten wir auf Zustimmung der peruanischen Behörden.

Ich versichere Ihnen, dass wir uns, wenn die ersten beiden Flüge diese Woche erfolgreich abgeschlossen sind, nicht zurücklehnen werden. Besonders um die Vielen von Ihnen außerhalb Limas wollen wir uns nun prioritär kümmern, ohne Lima zu vergessen. Nicht allen können wir gleichermaßen gerecht werden. Und dort, wo wirklich aus medizinischer oder anderer Sicht Not am Mann (oder an der Frau) ist, werden wir im Übrigen zusammen unseren europäischen Freunden nach Wegen zur Ausreise suchen. So konnten wir heute schon einige von Ihnen auf einem Flug von Edelweiss in die Schweiz unterbringen.

Es bleiben rund 2500 von Ihnen, die nach Hause wollen, eine Herkulesaufgabe.

Aber wir arbeiten dran; also Kopf hoch und bleiben Sie gesund.

Ihr

Stefan Herzberg, Botschafter

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